Hans-Joachim Nauschütz und Dagmar Uhlmann
11/29/09
Jetzt fehlt sie
Bilder überlappen sich. Dagmar Uhlmann, die bei einer Demonstration gegen den Krieg und die Helfershelferei des vereinten Deutschlands den vom Krebs schwer gezeichneten Schriftsteller Hans-Joachim Nauschütz stützt. Und Dagmar Uhlmann in der Kaufhalle, voll wütender Hoffnung, mit Normalität ankämpfend gegen die eigene Krankheit. Diese Frau war raumgreifend, burschikos, sich selbst nie zu schade, für sich und andere zu streiten. Von der Zuhörertribüne des Rathauses oder im Disput mit Pseudojournalisten des ZDF, öffentlich von einer neuen Kommunalpolitik träumend oder zu Hause schreibend, um das Sagbare der eigenen Erfahrung ringend. Ist das naiv, fragte sie mich manchmal. Ja, antwortete ich fast immer. Na und, konterte sie, dann ist es eben naiv! Wir wussten ja beide, dass moralische Antworten fast immer naiv sind, sein müssen. Und ganz selten nur ist diese Naivität kompatibel mit Vereins-, Partei- oder gar Staatspolitik. Einmal hatte sie das krank gemacht. Das sollte ihr nicht wieder passieren.Schreibend fand sie ins Leben zurück, fand neue Freunde, gab Menschen Mut, die sie vorher nicht gekannt hatte. Schrieb auch gegen die eigenen Grenzen an, eine tapfer anders Denkende. Jetzt fehlt sie.
Henry-Martin Klemt, BlickPunkt, 5. Dezember 2009
Hello,
Great portrait!
Have a nice evening.